Mein Weg zur Stimmarbeit

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Ich singe leidenschaftlich gern. Musik war immer ein wesentlicher Bestandteil meines Lebens. Ich stamme mütterlicherseits aus einer ständig singenden Familie – und seit mich meine Oma und meine Tante damals mit zum Kirchenchor schleppten, singe ich selber mit Ernsthaftigkeit. Im Kirchenchor stand von Anfang fest, dass ich beim Alt singe, worüber ich heute sehr froh bin, weil die Alt-Stimmen im Chor meist ein bisschen herausfordernder sind. Dass mir Jahrzehnte später meine Gesangslehrerin erklärte, dass ich ein Mezzosopran sei, verwirrte mich kurz, war mir dann aber schon egal – weil ich da dann ohnehin Jazz singen wollte und im Jazz die Stimmfächer keine große Rolle spielen.

In der Oberstufe im Gymnasium hatte ich das Glück, mit Michael Haustein einen leidenschaftlichen Musiker zum Musiklehrer zu bekommen, der die Energie hatte, nicht nur einen Schülerchor mit großer Ernsthaftigkeit zu betreiben, sondern auch verstand, dass es den Coolness-Faktor für Jugendliche wahnsinnig erhöhte, wenn man diesen Chor „Vokalensemble“ nannte. Ich habe jahrelang in diesem (rückblickend betrachtet wirklich guten) Ensemble gesungen – und weiß noch heute, wie besonders es war, ab und zu mal als Alt ein Solo abzustauben. Ich habe in dieser Zeit viel gelernt: Hören vor allem und viel Rhythmus. Und ich habe gelernt, dass es wichtiger ist, Pausen korrekt einzuhalten, als immer den richtigen Ton zu treffen.

Nebenbei war ich auch besessen vom Musical. Ich kann bis heute erschreckend viele Musical-Nummern in- und auswendig – was viele meiner Freunde ausgesprochen verwirrt. Aber was soll ich machen: Bis heute hilft es mir, wenn ich mich wirklich schwach, getrieben oder nutzlos fühle, eine Runde „Ich gehör nur zu mir“ zu schmettern… Ich steh dazu.

Ich probierte mich natürlich auch auf diversen Partys beim Karaoke aus – und bin daher sehr froh, dass ich in einer Zeit aufgewachsen bin, in der noch nicht jede Minute unseres Lebens dokumentiert werden konnte. Von einem meiner damaligen „Auftritte“ existiert angeblich noch ein Video auf VHS-Kassette, aber inzwischen bin ich alt genug, dass mir das meine Seriosität auch nicht mehr abgraben kann. Außerdem vergisst vielleicht das Internet nie, VHS aber schon irgendwann…

Trotzdem: Irgendwann wollte ich besser werden. Ich wollte auch bei Soli besser werden. Ich hatte schon ein paar Solo-Passagen bei Auftritten mit Betriebs-Chor gesungen (vor ordentlich viel Publikum, weil unsere Betriebs-Weihnachtsfeiern riesig waren). Außerdem hatte ich Freundschaft mit ein paar echten „Sängern“ geschlossen, unter anderem mit Wolfgang Linhart, der nicht nur ein Vollblut-Musiker, gnadenlos perfektionistischer Sänger und begnadeter Entertainer ist, sondern auch ein grandioser Pädagoge – auch wenn er das nicht hören will. Jedenfalls war ich motiviert und wollte Gesangsstunden nehmen. Mein Vater schlug vor, mich an Traude Berka-Schmid zu wenden, emeritierte Gesangsprofessorin und Musiktherapeutin.

Es folgten überraschende Lektionen. Traude führte mich zwar auch ans Wienerlied heran, allerdings legte sie sehr viel mehr Wert auf Körperarbeit und Vokaltraining. Ich lernte über „Schuhuuuu“, wie laut ich klingen konnte, näherte mich über das U, das ich von Anfang an gut beherrschte, einem Ü und dann einem I an, das vor Obertönen nur so vibrierte. Ich erkannte, dass man ein offenes E am leichtesten hinbekam, wenn man es über das O – Ö ansteuerte. Und ich verzweifelte am offenen A.

Ich werde nie vergessen, wie ich mich eine halbe Stunde abmühte, endlich dieses A hinzubekommen – am Ende haltlos schluchzend. Nicht, weil Traude hart darauf bestand oder irgendetwas Gemeines gesagt hätte. Dieses A klingen zu lassen, kostete mich so viel Überwindung und brauchte unfassbar viel Kraft. Ich stellte, ohne viel nachzudenken, ohne viel zu reden, massive Blockaden bei mir fest, von denen ich bis dahin nichts geahnt hatte. Und ich machte danach die Erfahrung, dass ich diese Blockaden auf eine bearbeitbare Größe bringen konnte, indem ich mich, daheim, in der Sicherheit meines Probekellers, mit diesem A weiter auseinandersetzte. Als ich es endlich hinbekam, wurden mir auch ein paar andere Dinge klar. Ich werde hier jetzt nicht ausbreiten, welche – das ist mir wirklich zu privat.

Traude begleitete mich mit viel Feingefühl in diesem Prozess, teilte mir dann aber doch auch mit, dass sie bei mir ordentlich Tempo gemacht hatte – weil sie es mir zugetraut hatte. Und weil sei wollte, dass ich verstand, wie viel Macht in dieser Stimmarbeit lag. Ich möchte das weitergeben, was mir damals mitgegeben wurde. Einfach, weil ich zutiefst davon überzeugt bin, dass die Arbeit mit Frequenzen und der Weg zur eigenen Stimme einen so schnell weiterbringen kann, wie kaum eine andere Form der Beratungsarbeit. Und nebenbei bringt es wirklich viel Freude.

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